Bei der durchschnittlichen Hochzeitsplanung liegt das Thema „Hochzeitsvideo“ irgendwo zwischen „Einladungskarten“ und „Gesänge in der Kirche“. Brautkleid? Sehr wichtig! Essen? Logisch! Photograf? Klar doch! Hmm, und wer filmt? Onkel Max, Cousin Udo, Tante Hildegard. Wer eben Zeit hat. Und so sieht ein Großteil der Filme auch leider aus. (Mal abgesehen davon, dass man demjenigen auch noch den Spaß an der Feier vermasselt)
Schaut man über den großen Teich nach Amerika, bekommt man ganz andere Sachen zu sehen. Dort werden Hochzeitsfilme produziert, die in Qualität und Originalität das Prädikat
„hollywoodreif“ durchaus verdienen. Die Wertigkeit eines Hochzeitsfilms ist dort einen ganz andere, schlechthin auch einfach durch die Qualität des Produkts. Zeigt man deutschen Paaren Ausschnitte aus solchen Produktionen, hört man sofort
„So was will ich auch!“ Das kommt kurz vor der Frage
„Was kostet mich das?“ Wenn man dann Preise einer amerikanischen Produktion aufruft, wird man ungläubiges Staunen ernten und schnell wieder an Tante Hildegard denken.

Aber man kann sich grundsätzliche Fragen zur Gestaltung eines einzigartigen Hochzeitsfilms stellen. Denn was man nicht kennt, vermisst man nicht.
DER STIL
Den
„Documentary Style“ kennen alle, die schon mal ein Hochzeitsvideo gesehen haben. Die Ereignisse werden chronologisch erzählt, wenn man einen Profi engagiert hat, bekommt man scharfe Bilder, einen guten Ton und eine sauber gearbeitete DVD mit Booklet. Die Kameraführung ist diskret, die Bilder wackelfrei, alles ist zur Zufriedenheit des Kunden.
Der
„Cinematic Style“, wie er von vielen Videographen in den USA praktiziert wird, geht weiter. Weg vom Dokumentarischen, hin zur Inszenierung. Das bedeutet nicht, dass der Filmer den Ablauf der Feierlichkeiten bestimmt, sondern das man als bewusst auf Emotionen setzt. Mehrere Kameras, mehr Großaufnahmen, mehr Aufwand. Und so wird auch dann später im Schnitt eine andere Art der Montage angewandt, eben um mittels Musik, Filtern und passenden Inserts gezielt Emotionen zu erzeugen. Diesen Stil muss man allerdings als Brautpaar auch mögen. Jedes Paar sollte für sich entscheiden, wie viel Nähe es zulässt. Ein guter Filmer respektiert das. Aus Erfahrung wage ich zu behaupten, das eine Mischung aus beiden Stilen hier im deutschsprachigen Raum am besten akzeptiert wird.
SDE, Bridal Elegance, Prep und Co. Schaut man sich Clips vom amerikanischen Markt an, trifft man auf Bezeichnungen, mit denen man im ersten Moment nichts anfangen kann.
Bridal Elegance: Monate vor der Hochzeit wird die Braut geschminkt, frisiert und dann in ihrem Hochzeitskleid in einer Art Modelshooting in Szene gesetzt. Unter
www.cinematicbride.com kann man die wohl besten Clips dieser Kategorie sehen. Dieser Clip wird dann auf der Feier per Beamer oder Plasma gezeigt. Auftraggeber ist meistens der Bräutigam selber.
Prepclips sind Aufnahmen, die am Tag der Hochzeit in der Vorbereitungszeit des Paares entstehen, eine Kamera ist bei der Braut, eine beim Bräutigam. Richtig gefilmt und geschnitten, kann es eine Bereicherung für jeden Hochzeitsfilm sein.
SDE oder Same Day Edit ist so was wie die Königsdisziplin für jeden Hochzeitsfilmer. Nach Abschluss der Trauung wird von einem Kollegen das bisher gefilmte Material geschnitten und auf ca. fünf Minuten Länge gebracht. Der andere Kollege filmt dabei auf dem Empfang und der Feier weiter. Dieser Schnitt wird dann noch am selben Abend auf der Feier, wieder per Beamer oder Plasma gezeigt, um dem Brautpaar einen ersten Eindruck ihres größten Tages zu vermitteln. Das setzt allerdings versierte Editoren voraus, die ihre Schnittsoftware sehr gut beherrschen. Mittlerweile bieten auch erste Filmer in Deutschland diesen Service an.
Einen
Highlightclip sollte eigentlich jeder gute Hochzeitsfilmer bieten können. Dort werden noch mal die besten und interessantesten Momente des Tages wie in einem Musikvideo aufbereitet. Dieser Highlightclip eignet sich auch gut als Giveaway für die Danksagungskarte. Auf einen 8cm-DVD-Rohling gebrannt und passend bedruckt, ist er eine nette und originelle Erinnerung für alle Beteiligten.
NEUE IDEEN
Einen interessanten Ansatz verfolgt GM Elliot (
www.glenelliott.com ) mit seinem neuen Stil. Dort wird das Brautpaar einige Zeit nach ihrer Hochzeit noch mal zu ihren Eindrücken während ihrer Hochzeit befragt und das ergibt dann zusammen mit den Bildern der Hochzeit einen sehr interessanten Hochzeitsfilm. Das Interview und die Voiceover lockern den Film auf und geben einen interessanten Einblick, auch für das Paar, gerade wenn es sich den Film einige Jahre später wieder anschaut.
AUSBLICK
„Begehrlichkeiten wecken“ war etwas, was ich auf meiner letzten Hochzeitsmesse immer gerne gesagt habe. „Begehrlichkeiten wecken“ bei den Brautpaaren, die nun wissen, dass es auch Leben jenseits von Onkel Max gibt und sich vielleicht doch für einen professionellen Hochzeitsfilmer entscheiden. Und „Begehrlichkeiten wecken“ bei den Hochzeitsfilmern, aus ihrer gewohnten Sichtweise auszubrechen und den Paaren einen Hochzeitsfilm zu produzieren, der beide Seiten zufrieden stellt und auch den Stellenwert des Hochzeitsvideos verbessert.
Fangen wir an…
Thomas Karstädt Timeline Videographie